Sportgetränk ???

 

Apfelschorle… oder Sportgetränk?

 

»Speziell konzipierte Sportgetränke sind als Wettkampfgetränk überlegen.«


J.Zapf – Abt. Sportmedizin der Universität Bayreuth, 95440 Bayreuth

 


Eine Studie der Abteilung Sportmedizin der Universität Bayreuth konnte zeigen,

dass der Flüssigkeitsersatz währen 150-minütiger Langzeitbelastungen mit einem handelsüblichen Sportgetränk dem ausschließlichen Flüssigkeitsersatz mit Apfelsaftschorle nicht nur hinsichtlich der Vermeidung eines Absinkens des Blutplasmavolumens

und der Blut-Natriumkonzentration, sondern auch hinsichtlich der Veränderung aller getesteten leistungsrelevanten Parameter (Hf-Anstieg, Anstieg der Sauerstoffaufnahme, subjektives Anstrengungsempfinden, Körpertemperaturanstieg, Verträglichkeit, Allgemeinbe-finden) überlegen ist.

 

Während eines Ironman-Triathlons oder anderer mehrstündiger Langzeitbelastungen

verliert der Körper nicht nur große Mengen an Flüssigkeit und Mineralstoffen, sondern entleert auch seine Kohlenhydratvorräte weitgehend vollständig.

Die körpereigenen Speicher reichen während solcher Belastungen bei weitem nicht mehr aus, um die Verluste zu kompensieren. Deshalb ist es unbedingt erforderlich, die entstehenden Verluste von Beginn an auszugleichen und möglichst klein zu halten, um ein optimal hohes Leistungsniveau über viele Stunden aufrecht halten zu können.

 

Bei warmen Temperaturen von ca. 25°C tritt z.B. bei einem Ironman-Triathlon ein Gesamtflüssigkeitsverlust von ca. 12-13 Litern auf. Ein Flüssigkeitsdefizit von 1,5 Litern und mehr führt bereits zu messbaren Einschränkungen der Leistungsfähigkeit, ein Defizit von 5 Litern und mehr kann ernste gesundheitliche Störungen zur Folge haben.

 

Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von Rennbeginn an ist deshalb die wichtigste „Ernährungsmaßnahme“ während eines solchen Wettkampfes.

 

Aber mit Wasser allein ist es nicht getan.

Mit dem Schweiß gehen zahlreiche Mineralstoffe (Natrium, Chlor, Kalium, Magnesium, Kalzium) verloren, was per se wiederum die Leistung beeinträchtigen kann.

Bestens untersucht ist die leistungserhaltende Bedeutung der Zufuhr von Kohlenhydraten während des Wettkampfes in einer Menge von 40-60 Gramm pro Stunde

(entweder in Form von Getränken oder auch als feste Nahrung)

vor allem dann, wenn die Kohlenhydratspeicher zunehmend erschöpft sind.

Bei mehrstündigen Belastungen werden vermehrt auch Aminosäuren verbrannt (Glutamin und die verzweigtkettigen Aminosäuren Valin, Leucin und Isoleucin) deren Konzentrationen im Blut dann mess-bar abfallen.

 

Ein „optimales“ Sportgetränk sollte von seinen Inhaltsstoffen so beschaffen sein,

dass all diese Verluste ausgeglichen und Leistungseinbußen von vornherein vermieden werden. Die Meinungen über die notwendigen Inhaltsstoffe und deren Konzentration in einem solchen Getränkes gehen aber z.T. weit auseinander.

 

Gegenwärtig werden folgende Vorgaben für ein geeignetes Wettkampfgetränk empfohlen:

 

- Kohlenhydratgehalt zwischen 40 und 80 Gramm pro Liter (mit nicht zu hohem Fruchtzuckeranteil)

 

- Die Dichte der gelösten Stoffe (Osmolalität) sollte die des Blutes nicht übersteigen. Man spricht dann von hypotonem (niedrigerer Teilchendichte als das Blut)

oder isotonem (gleiche Teilchen-dichte wie das Blut) Getränk

 

- Der pH-Wert sollte nicht zu sauer sein (d.h. Werte nicht kleiner als 4)

 

- Die Konzentration an Mineralstoffen sollte die Verluste durch den Schweiß ausgleichen können, wobei vor allem ein ausreichender Ersatz von Natrium wichtig ist.


Fruchtsaftschorlen, insbesondere Apfelsaftschorle im Verhältnis 1:1 bis 1:2 verdünnt, werden immer wieder als voll geeignetes Wettkampfgetränk empfohlen.

Sie seien wesentlich billiger als spezielle Sportgetränke und im Vergleich absolut gleichwertig.

Apfelsaftschorle erfüllt aber einige der obigen Forderungen in keinster Weise:

 

Je nach Verdünnung liegt die Kohlenhydratkonzentration oder die Dichte der gelösten Teilchen (Osmolalität) nicht im gewünschten Bereich. Apfelsaftschorle hat einen sehr hohen Kaliumgehalt, enthält aber so gut wie kein Natrium. Sie besitzt außerdem einen hohen Anteil an Fruchtsäure, der die Verträglichkeit unter Belastung einschränken kann.

In einer kürzlich durchgeführten, sehr aufwendigen Untersuchung der Abteilung Sportmedizin der Universität Bayreuth wurden die folgenden Getränke während 150-minütiger Fahrradbelastungen hinsichtlich ihrer Eignung als Wettkampfgetränk verglichen:

 

Ein speziell konzipiertes Sportgetränk (PowerBar Performance Sports Drink (P400),

auf das z.B. auch das T-Mobile Team setzt) und Apfelsaftschorle mit Leitungswasser in einem Verhältnis von 1:1 verdünnt.

Jeder Proband erhielt genau die in einem Vortest ermittelte Getränkemenge, die seinen Flüssigkeitshaushalt in ausgeglichenem Zustand hielt.

Im Verlauf der Testfahrten wurden Veränderungen der Natriumkonzentration im Blut und des Blutvo-lumens ebenso erfasst wie Veränderungen leistungsrelevanter Parameter (Sauerstoffaufnahme, Herz-frequenz, Blutlaktatwerte, subjektives Belastungsempfinden, Körpertemperatur). Zusätzlich wurde eine individuelle Beurteilung der konsumierten Getränke hinsichtlich Geschmack und Verträglichkeit durchgeführt.

Die Ergebnisse zeigen eindeutig und signifikant die Überlegenheit des Sportgetränks gegenüber der Apfelsaftschorle in nahezu allen Parametern bis zum Ende der Testfahrten:


1. Das Blutplasmavolumen konnte durch den Flüssigkeitsersatz mit dem Sportgetränk während der gesamten Fahrt konstant gehalten werden.

Die Zufuhr von Apfelsaftschorle führte dagegen trotz identischer Flüssigkeitsmenge zu signifikanten Verringerungen des Blutplasmavolumens, die fast so ausgeprägt waren wie bei den Leerversuchen, bei denen die Probanden über die gesamten 150 Minuten gar keine Flüssigkeit erhalten hatten.


2. Die Natriumkonzentration im Blut blieb beim Sportgetränk konstant, während sie beim Apfelsaftschorlengetränk signifikant abfiel.


3. Die Anstiege der Herzfrequenzen, der Sauerstoffaufnahme, der Körpertemperatur und des subjektiven Belastungsempfindens waren bei Verwendung des Sportgetränkes bei allen Parametern geringer als bei Verwendung von Apfelsaftschorle.


4. Bei gleicher Geschmacksbewertung wurde die Verträglichkeit des Sportgetränkes und die allgemeine Gesamtbefindlichkeit von allen Probanden besser bewertet als die des Apfelsaftschorlengetränkes.


Abbildungen 1-4:

Verlauf der leistungsrelevanten Parameter Herzfrequenz, Körpertemperatur und subjektives Belastungsempfindens (RPE) während des 150-minütigen Tests bei den jeweils getesteten Getränken:

Power 400 = handelsübliches PowerBar Performance Sports Drink,

Apfel = Apfelsaft-schorle mit Leitungswasser 1:1 gemischt,

Leer = Leertest ohne jede Flüssigkeitszufuhr.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abb.5: Vergleich von Geschmack, Verträglichkeit, Gesamtbefindlichkeit und subjektiver Leistungs-vermögen zwischen den Tests mit unterschiedlicher Getränkeauswahl (Bewertung: 1= sehr gut, 2=gut, 3=zufriedenstellend, 4=schlecht, 5= sehr schlecht)

 

 

Bewertung:

 


 

Die Ergebnisse zeigen die Überlegenheit des Sportgetränkes gegenüber Apfelsaftschorle

in nahezu allen gemessenen Parametern. Mit dem Sportgetränk wurde ein Absinken des Blutplasmavolumens verhindert. Dies ist die wesentliche Ursache für die geringere Beeinträchtigung der gemessenen leistungsrelevanten Parameter. Der extrem niedrige Natriumgehalt der Apfelsaftschorle und ihr übermäßig hoher Kaliumgehalt führten zu gegenteiligen Veränderungen mit deutlichen Abfällen der Natriumserumkonzentration, des Blutplasmavolumens und einer dadurch höheren Beeinträchtiung leistungsrelevanter Parameter. Trotz gleich guten Geschmacks wurden die Verträglichkeit und das Allgmeinbe-finden im Apfelsaftschorlentest von allen Probanden schlechter beurteilt als beim Sportgetränk. Dazu dürften die ungünstigere Osmolalität und der höhere Fruchtsäure- und Fruchtzuckergehalt der Apfel-saftschorle beigetragen haben.

 

Fazit:

 

Das Sportgetränk erfüllt hinsichtlich seiner Zusammensetzung die Kriterien für ein geeignetes Wettkampfgetränk und ist dem Apfelsaftschorlengetränk in allen Belangen während der Belastungsphase überlegen.


 

 

 

Mehr Info's unter:

 

 

 

 

 

 



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